Warum wir nur lernen, wenn wir uns sicher fühlen

Was unser Nervensystem mit Lernen zu tun hat

Heute erlebe ich in Organisationen ähnliche Strukturen, wie damals in der Schule (und dort war ich nicht so gerne). „Lebenslanges Lernen“ steht zwar in jeder zweiten Unternehmensstrategie, doch permanenter Zeitdruck, der keinen Raum lässt, verhindert genau dies. Es wird Lernkultur gepredigt und doch nur Lernverhinderung erreicht.

Unser Nervensystem entscheidet, ob wir lernen können und zwar lange bevor unser Kopf mitspielt.

Der Sweet-Spot: Nicht zu leicht, nicht zu schwer

Wir lernen am besten in einem schmalen Bereich zwischen Unter- und Überforderung:

Zu leicht? Langweilig. Das Gehirn schaltet ab.

Zu schwer? Überfordernd. Das Nervensystem schaltet auf Alarm.

Genau richtig? Anspruchsvoll, aber machbar. Mit Sicherheit im Hintergrund.

Dieser Sweet-Spot ist für jeden Menschen unterschiedlich und er verschiebt sich, je nach Tagesform, Kontext und Vorwissen.

Was das für Organisationen bedeutet

Wenn wir wollen, dass Menschen lernen und sich entwickeln, dürfen wir aufhören, nur darüber zu reden und anfangen, Bedingungen zu schaffen.

Sicherheit vor Geschwindigkeit

Permanenter Zeitdruck aktiviert Stress und unter Dauerstress lernt niemand. Menschen funktionieren nur noch oder brechen zusammen.

Was stattdessen tun: Pufferzeiten einplanen. Reflexionsräume schaffen. Entschleunigung als Vorteil begreifen.

Psychologische Sicherheit als Führungsaufgabe

Teams, in denen Menschen sich sicher fühlen, lernen schneller und sind innovativer.

Das bedeutet:

  1. Fehler als Lernchancen behandeln
  2. Fragen stellen statt Antworten vorgeben
  3. Verletzlichkeit vorleben
  4. Unterschiedliche Perspektiven aktiv einfordern

Unterforderung ist genauso schädlich

Menschen, die unter ihren Möglichkeiten arbeiten, schalten ab. Langeweile ist auch eine Form von Stress, nur wesentlich subtiler. Die wahre Kunst ist daher, Aufgaben so zu gestalten, dass sie fordern, aber nicht überfordern.

Kultur schlägt Training

Alle Trainings der Welt helfen nichts, wenn die Kultur Lernen verhindert. Wenn Nichtwissen als Schwäche gilt, Hierarchie wichtiger ist als Kompetenz und Kontrolle wichtiger ist als Vertrauen.

Drei spannende Fragen, die sich Organisationen stellen können:

  • Wie sicher fühlen sich Menschen bei uns wirklich? (Nicht: Was steht in unseren Werten. Sondern: Was erleben Menschen täglich?)
  • Wo schaffen wir systematisch Über- oder Unterforderung? (Und: Wie unterschiedlich ist das für unterschiedliche Menschen?)
  • Was würde passieren, wenn Lernen wichtiger wäre als Leistung? (Auch nur für eine Woche. Als Experiment.)

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